Berlin bleibt ein Hotspot der Clankriminalität – wir fordern klare Kante und Politik der Nadelstiche
DPolG Berlin zur Clankriminalität: Rechtsstaat muss Zähne zeigen!
Das aktuelle Lagebild zur Clankriminalität für 2024 zeigt: Mit 851 erfassten Straftaten und 296 dem kriminellen Clanmilieu zugerechneten Tatverdächtigen bleibt Berlin bundesweit ein Hotspot krimineller Clans.
Gewalt- und Rohheitsdelikte, Verkehrsstraftaten wie illegale Autorennen, Vermögens- und Fälschungsdelikte wie Betrug oder Geldwäsche, aber auch Drogenhandel oder das massive Einschüchtern von Zeugen verdeutlichen, dass die Strukturen nach wie vor fest verankert sind.
616 Personen werden mittlerweile dem Phänomenbereich Clankriminalität zugerechnet. Und diese Clankriminellen bauen ihr Netzwerk stetig aus, demonstrieren offen Stärke. Im Kern geht es immer um Macht und Geld.
Besonders brisant: Die Polizei konnte im vergangenen Jahr wegen EM-Sicherheitslagen und Dauereinsätzen rund um den Gaza-Konflikt nur 74 Einsätze zur Bekämpfung der Clankriminalität fahren – fast halb so viele wie 2023. „Das bedeutet: weniger Kontrolle, mehr Spielräume für diese Kriminellen“, warnt Bodo Pfalzgraf, Landesvorsitzender der DPolG Berlin.
Rechtsstaat darf nicht nachlassen
„Die Zahlen zeigen: Clankriminalität ist kein Randphänomen, sondern ein Dauerangriff auf den Rechtsstaat. Wir brauchen konsequente Verbundeinsätze, eine Politik der Nadelstiche als auch den Mut und die rechtlichen Instrumente, der Spur des Geldes kompromisslos folgen und Vermögen konsequent einziehen zu können“, so Pfalzgraf. Die Strukturen reichen tief in legale Märkte hinein – von Autovermietungen über Baugewerbe bis hin zu Shisha-Bars. Wer hier nicht entschlossen gegen Geldwäsche, illegales Glückspiel oder auch Jugendschutzverstöße vorgeht, füttert das System. Wichtig ist auch, staatliche Strukturen vor Unterwanderung durch kriminelle Clanfamilien zu schützen. Denn diese gibt es bereits. "Das Schlupfloch von Namensänderungen, mit dem Täter Identitäten verschleiern, gehört daher dringend geschlossen“, betont Pfalzgraf.
Mehr Druck durch Justiz und Gesetz
Die DPolG Berlin fordert, dass auch die Justiz stärker in die Pflicht genommen wird: ausreichend Staatsanwälte, Richterstellen und vor allem Haftplätze sind notwendig, um Clankriminelle nicht mit milden Strafen oder Verfahrenseinstellungen davonkommen zu lassen. "Denn Bewährungsstrafen werten Clankriminelle als Freispruch. Zeugen müssen zudem effektiv geschützt werden, damit sie im Gerichtsverfahren willens bleiben, auszusagen. Das Einschüchtern von Zeugen muss härter verfolgt und geahndet werden" so Pfalzgraf.
Klare Kante statt Verwässerung
Kriminelle Angehörige von Clanfamilien testen täglich, wie belastbar unser Rechtsstaat ist. Berlin darf hier keinen Millimeter zurückweichen. „Wer immer nur über Integrationsmaßnahmen spricht, verschließt die Augen vor der Realität längst etablierter Parallelstrukturen. Der Rechtsstaat muss seine Zähne zeigen – klar, scharf und spürbar. Alles andere wird als Schwäche und somit "Einladung zu Straftaten" verstanden“, stellt Pfalzgraf klar.
Siehe dazu Bodo Pfalzgraf im Behörden Spiegel, Newsletter Netzwerk Sicherheit Nr. 1.159 Berlin und Bonn 25. August 2025: "Gefährdung durch Clankriminalität weiterhin hoch"
*Darüber berichtet Ole Kröning in der BZ vom 20. August 2025: https://www.bz-berlin.de/polizei/neuer-lagebericht-clanmitglieder
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