Warum kann ein Anschlag nicht verhindert werden, obwohl ein islamistischer Gefährder den Sicherheitsbehörden bekannt ist und überwacht wird? Unser DPolG-Landesvorsitzender Bodo Pfalzgraf spricht im ARD-Mittagsmagazin über die Grenzen lückenloser Observation, die angespannte Personalsituation der Berliner Polizei und die daraus resultierenden Herausforderungen für die Terrorismusabwehr.
Warum kann ein Anschlag nicht verhindert werden, obwohl ein islamistischer Gefährder den Sicherheitsbehörden bekannt ist und überwacht wird? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Gesprächs von Bodo Pfalzgraf, Landesvorsitzender der DPolG Berlin, mit Andre Kartschall im ARD-Mittagsmagazin vom 7. August 2026.
Am Beispiel des Anschlags beim Christopher Street Day (CSD) Berlin in Tiergarten erläutert Bodo Pfalzgraf, wo die praktischen Grenzen der Überwachung von Gefährdern liegen. Denn selbst wenn Sicherheitsbehörden eine Person im Blick haben und Maßnahmen wie elektronische Fußfessel, Handyüberwachung oder die unmittelbare Verfolgung durch operative Kräfte eingesetzt werden, ist eine lückenlose Überwachung kaum zu gewährleisten.
Die Zahlen verdeutlichen die Dimension der Aufgabe: Rund 155 islamistische Gefährder befinden sich laut Bundeskriminalamt in Deutschland auf freiem Fuß, mehr als 40 davon leben allein in Berlin.
Eine einzelne Person rund um die Uhr verdeckt zu observieren, bindet nach Angaben Bodo Pfalzgrafs etwa 28 bis 35 Einsatzkräfte. Dabei geht es nicht lediglich darum, einer Person zu folgen. Eine verdeckte Observation muss im Schichtbetrieb erfolgen, darf nicht auffallen und benötigt ausreichend Personal, um auch über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten werden zu können.
Dem steht die tatsächliche personelle Ausstattung der Berliner Polizei gegenüber. Nach Pfalzgrafs Darstellung können derzeit nicht mehr als zwei Gefährder gleichzeitig rund um die Uhr observiert werden.
Damit wird deutlich: Die Sicherheitsbehörden müssen angesichts einer erheblich größeren Zahl bekannter Gefährder fortlaufend bewerten, priorisieren und ihre begrenzten Ressourcen dort einsetzen, wo sie das höchste Risiko sehen.
Genau darin liegt für den DPolG-Landesvorsitzenden ein entscheidendes Problem. Sicherheitsbehörden können Risiken bewerten und Überwachungsmaßnahmen ergreifen – eine Garantie, jede Tat rechtzeitig zu erkennen und zu verhindern, ergibt sich daraus jedoch nicht.
Pfalzgraf macht im ARD-Mittagsmagazin deutlich, dass die Debatte deshalb auch über die personellen und operativen Möglichkeiten der Polizei geführt werden muss. Wer eine engmaschige Überwachung von Gefährdern erwartet, müsse zugleich berücksichtigen, welcher enorme Personalbedarf damit verbunden ist.
Seine zentrale Botschaft: „Terroristische Abwehr darf sich nicht auf Glück verlassen.“ Eine leistungsfähige Terrorismusabwehr braucht ausreichende personelle Ressourcen, damit erkannte Risiken nicht nur bewertet, sondern notwendige Maßnahmen auch konsequent umgesetzt werden können.
Das Gespräch mit Bodo Pfalzgraf ist bis 14. August 2026 ist im ARD-Mittagsmagazin vom 7. August 2026 ab 1:11:30 zu sehen.
> Beitrag in der ARD-Mediathek ansehen