Reparaturstau bei der Polizei: Zu viele Einsatzfahrzeuge in der Werkstatt
DPolG Berlin fordert Hamburger Modell für Berliner Polizeifuhrpark
159 Fahrzeuge der Polizei Berlin waren Anfang September gleichzeitig wegen Werkstattaufträgen nicht verfügbar. 2025 fielen insgesamt 7.481 Werkstattaufträge an. Für die DPolG Berlin zeigen die Zahlen: Berlin braucht einen grundlegend anderen Umgang mit seinem Polizeifuhrpark. Unser Landesvorsitzender Frank Teichert fordert ein professionelles Fuhrparkmanagement nach Hamburger Vorbild – mit planmäßigem Austausch, rechtzeitigem Verkauf und kontinuierlicher Erneuerung der Fahrzeugflotte.
Wenn ein Einsatz nicht gefahren werden kann, weil kein Fahrzeug zur Verfügung steht, wird aus einem Fuhrparkproblem ein Sicherheitsproblem. Davor warnt die DPolG Berlin. Nach der Antwort des Senats auf eine Schriftliche Anfrage des Grünen-Abgeordneten Vasili Franco verfügte die Polizei Berlin zum 31. August 2026 über insgesamt 3.304 Fahrzeuge.
Dazu gehören unter anderem 954 Einsatzwagen (EWA), 966 Zivilfahrzeuge, 213 Gruppenkraftwagen, 352 Sonderfahrzeuge sowie 435 vom Bund beschaffte Fahrzeuge der Bereitschaftspolizei.
Zum Stichtag 1. September waren 159 Polizeifahrzeuge aufgrund von Werkstattaufträgen nicht verfügbar. Das entspricht rund fünf Prozent des gesamten Fuhrparks.
Noch deutlicher wird der Reparaturbedarf beim Blick auf die Werkstattaufträge: 7.481 waren es allein im Jahr 2025 – davon 4080 für EWA! Von Januar bis Ende August 2026 kamen bereits weitere 4.600 hinzu.
Millionen für Reparaturen am Berliner Polizeifuhrpark
Auch die Kosten sind erheblich.
- Bereits 2024 hatte die Polizei für externe Werkstattleistungen ebenfalls rund 7,8 Millionen Euro ausgegeben.
- Im Jahr 2025 wurden 4.756 Reparatur- und Wartungsaufträge an Fremdwerkstätten vergeben. Kosten: rund 7,8 Millionen Euro.
- Bis Ende August 2026 waren weitere 2.009 externe Werkstattaufträge mit Kosten von rund 3,35 Millionen Euro angefallen.
Die Polizei Berlin verfügt zwar über eigene Werkstattkapazitäten. Dennoch zeigt der Umfang der extern vergebenen Aufträge, wie groß der Wartungs- und Reparaturbedarf der Fahrzeugflotte inzwischen ist.
Frank Teichert: Wenn Fahrzeuge fehlen, können Einsätze ausfallen
Der DPolG-Landesvorsitzende Frank Teichert hat das Problem im Gespräch mit Dennis Meischen, Leitender Redakteur der Berliner Morgenpost, auf den entscheidenden Punkt gebracht: „Es kommt vor, dass Einsätze nicht gefahren werden können, weil die Fahrzeuge fehlen.“
Für die DPolG Berlin geht es deshalb nicht allein um einzelne defekte Einsatzwagen. Entscheidend ist die Frage, wie eine Millionenstadt ihren Polizeifuhrpark langfristig organisiert. Berlin braucht eine Strategie, die Fahrzeuge nicht erst dann ersetzt, wenn Alter, Laufleistung und Reparaturanfälligkeit den Betrieb zunehmend teuer und unzuverlässig machen.
Die DPolG Berlin fordert deshalb einen Wechsel hin zu einem professionellen Fuhrparkmanagement nach Hamburger Vorbild.
DPolG Berlin fordert Fuhrparkmanagement nach Hamburger Modell
Die Freie und Hansestadt Hamburg organisiert den Polizeifuhrpark als zentrales Fuhrparkmanagement und betrachtet die Fahrzeuge über ihren gesamten Lebenszyklus – von Planung und Beschaffung über Betrieb und Reparatur bis zur Aussonderung und zum Controlling. (Quellen* am Textende)
Nach diesem Vorbild fordert die DPolG Berlin ein systematisches Flottenmanagement auch für die Hauptstadt. Der Grundgedanke: Fahrzeuge werden regelmäßig und planmäßig ausgetauscht und zu einem Zeitpunkt verkauft, an dem sie noch einen relevanten Restwert besitzen, statt sie mit zunehmendem Alter und steigenden Reparaturkosten möglichst lange im Bestand zu halten. Die Einnahmen können wiederum zur Finanzierung der Flottenerneuerung beitragen.
Damit werden nicht nur alte Fahrzeuge ersetzt. Ein solches Lebenszyklusmanagement berücksichtigt Anschaffung, Nutzung, Wartungs- und Reparaturkosten, Ausfallzeiten und Restwert eines Fahrzeugs.
Für die DPolG Berlin ist das der entscheidende Unterschied: Nicht fahren und reparieren, bis ein Fahrzeug zum Dauerpatienten wird, sondern wirtschaftlich sinnvoll erneuern. Berlin braucht deshalb verlässliche Erneuerungszyklen für seine Einsatzfahrzeuge und eine Finanzierung, die verhindert, dass notwendige Beschaffungen immer weiter aufgeschoben werden.
Neue Fahrzeuge allein lösen das Problem nicht
Dass Fahrzeuge beschafft werden, zeigen auch die Zahlen des Senats. Für 2026 werden insgesamt 244 Fahrzeugbeschaffungen ausgewiesen. Auch für die kommenden Jahre sind weitere Neuanschaffungen vorgesehen.
Das allein löst nach unserer Auffassung das strukturelle Problem jedoch nicht. Entscheidend ist ein langfristiges Fuhrparkmanagement, das Alter, Laufleistung, Reparaturkosten, Werkstattzeiten, Einsatzfähigkeit und Restwert der Fahrzeuge gemeinsam betrachtet. Denn „Polizeifahrzeuge sind keine gewöhnlichen Dienstwagen. Sie laufen im Schichtbetrieb, transportieren umfangreiche Ausrüstung und müssen gerade dann zuverlässig funktionieren, wenn jede Minute zählt”, erklärt Frank Teichert.
Einsatzfahrzeuge der Polizei: Auch moderne Technik kann zum Problem werden
Dabei geht es nicht ausschließlich um alte oder reparaturanfällige Fahrzeuge. Auch bei neueren Einsatzwagen hat der stellvertretende DPolG-Landesvorsitzende Lars Golombek am Beispiel der Polizeidirektion 1 bereits auf Probleme hingewiesen.
Moderne Fahrerassistenzsysteme wie Notbrems-, Spurhalte- oder Geschwindigkeitsassistenten können bei Einsatzfahrten unter Inanspruchnahme von Sonder- und Wegerechten gegen die Fahrweise der Einsatzkräfte arbeiten. Bei den neueren Vitos berichteten Kolleginnen und Kollegen unter anderem von abrupten Bremsmanövern und Eingriffen des Spurhalteassistenten.
Lars Golombek hat für die DPolG Berlin deshalb bereits im Juli 2026 eine praxisnahe Lösung und eine ernsthafte Auseinandersetzung der Polizei Berlin mit dem Problem gefordert. Mehr dazu > „Assistenzsysteme behindern Einsatzfahrten: Wenn der Funkwagen gegen den Fahrer arbeitet“ – DPolG Berlin.
Für uns gehören beide Themen zusammen: Ein Einsatzfahrzeug muss nicht nur vorhanden sein. Es muss technisch zuverlässig, praxistauglich und jederzeit einsatzfähig sein.
Morgenpost-Chefredaktion greift Forderung der DPolG Berlin auf
Die Warnung der DPolG Berlin hat inzwischen auch die Chefredaktion der Berliner Morgenpost aufgegriffen. Die Leitende Redakteurin Heike Dietrich bezeichnete insbesondere Teicherts Aussage, dass Einsätze wegen fehlender Fahrzeuge teilweise nicht gefahren werden könnten, als alarmierend.
Auch sie verweist auf Hamburg. Dort gebe es ein systematisches Fuhrparkmanagement, bei dem Fahrzeuge regelmäßig ausgetauscht und weiterverkauft werden, solange sie noch einen entsprechenden Wert besitzen. Dadurch könnten zugleich Reparaturkosten reduziert werden.
Der Zustand des Fuhrparks keine interne Ausstattungsfrage der Polizei: Ein funktionierender Polizeifuhrpark ist eine Frage der inneren Sicherheit. „Wenn Einsatzfahrzeuge fehlen, geht es nicht mehr nur um Reparaturkosten. Es geht um die Einsatzfähigkeit der Polizei Berlin – und damit um die Sicherheit dieser Stadt”, sagt DPolG-Landeschef Frank Teichert.
Kurz gesagt:
- 3.304 Fahrzeuge.
- 159 davon an einem einzigen Stichtag wegen Werkstattaufträgen nicht verfügbar.
- 7.481 Werkstattaufträge im vergangenen Jahr und Millionenbeträge für externe Reparaturen.
Diese Zahlen zeigen, dass Berlin beim Polizeifuhrpark strukturell handeln muss. Die DPolG Berlin fordert deshalb ein professionelles Fuhrparkmanagement nach Hamburger Vorbild, verlässliche Erneuerungszyklen und ausreichende Haushaltsmittel für die kontinuierliche Modernisierung der Fahrzeugflotte.
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*Quellen zum Hamburger Modell:
1) Freie und Hansestadt Hamburg / Behörde für Inneres und Sport – Polizei: Rahmenvereinbarungen über die Beschaffung von Personenkraftwagen:
Zitat: Die Freie und Hansestadt Hamburg, vertreten durch das Beschaffungs- und Vergabecenter der Behörde für Inneres und Sport -organisatorisch angebunden bei der Polizei Hamburg- , beabsichtigt den Abschluss von Rahmenverein-barungen mit möglichst vielen Fahrzeugherstellern, Generalvertretungen oder autorisierten Fachhändlern von Fahrzeugherstellern über den Kauf von verschiedenen Personenkraftwagen (PKW) mit rein batterieelektrischem Antrieb, mit Plug-In Hybrid Antrieb und mit allen anderen Antriebsarten (z. B. (mild-)Hybrid, Gas, Benzin oder Diesel) für sämtliche Behörden, Ämter, Landesbetriebe und Hochschulen sowie ausgewählte Anstalten des öffentlichen Rechts und öffentliche Unternehmen der Freien und Hansestadt Hamburg. Der jährliche Bedarf liegt bei ca. 127 Fahrzeugen.
2) Hamburgische Bürgerschaft: Drs 21/18981: „Elektroautos und Hybridfahrzeuge im Fuhrpark der Stadt Hamburg“, mit Angaben zum Fuhrparkmanagement und zur Fahrzeugflotte der Polizei Hamburg

