Trotz Gespräch mit der Führung im OA Mitte: Viele Fragen bleiben offen
"Tal der Tränen": Weiter Ärger im Ordnungsamt Mitte
In unserem Fachmagazin POLIZEISPIEGEL Januar/Februar 2026 und hier berichteten wir über die Kritik zahlreicher Beschäftigter an der Umstrukturierung im Ordnungsamt Mitte. Im Mittelpunkt standen der neue Dienstplan, die Neuaufteilung der Dienstgruppen und die Rolle des Personalrats.
Ein Gespräch zwischen der DPolG und der Führungsebene des Bezirksamtes Mitte würde offene Fragen klären, so hofften viele. Es fand am 23. April 2026 zwischen Frau Kremer und Herrn Sasse als Vertreterin und Vertreter der Führungsebene und Lars Golombek und Frank Teichert von der DPolG Berlin statt.
Gespräch zwischen Ordnungsamt Mitte und DPolG Berlin
Die Hoffnung hat sich bislang nur teilweise erfüllt. Im Gespräch stellte die Führung ihre Sicht auf die Umstrukturierung des Außendienstes vor. Dabei fielen Begriffe wie “Widerstände”, “Konfliktphasen” und sogar “Tal der Tränen”. Außerdem wurde erläutert, dass bestehende Strukturen bewusst aufgebrochen werden sollten.
Die Präsentation beantwortete einige Fragen, gleichzeitig war sie Ausgangspunkt für viele neue. Denn wer intern selbst von “Widerständen”, “Konfliktphasen” und einem “Tal der Tränen” spricht, macht deutlich, dass die Auswirkungen der Umstrukturierung durchaus gesehen wurden.
Umso mehr stellt sich die Frage, weshalb diese Einschätzungen nicht auch gegenüber den Beschäftigten vorgestellt wurden, die die Auswirkungen der Umstrukturierung täglich erleben. Weshalb mussten viele von ihnen den Eindruck gewinnen, dass ihre Kritik nicht in gleicher Weise wahrgenommen wurde?
Begründungen werfen weitere Fragen auf
Als wesentlicher Grund für die Neuorganisation wurden die Unterbringung der Dienstfahrzeuge und die geplante Sanierung des bisherigen Standortes genannt. Nach aktuellem Stand haben die angekündigten Baumaßnahmen jedoch noch immer nicht begonnen.
"Viele Beschäftigte fragen sich deshalb, warum funktionierende Arbeitsabläufe bereits verändert wurden, obwohl der eigentliche Anlass bislang aussteht", sagt Lars Golombek, Vorsitzender des DPolG Kreisverbandes Direktion 1.
Beteiligung statt Entscheidungen über die Köpfe hinweg
Auch der neue Dienstplan war Thema des Gesprächs. Die DPolG regte an, die neuen Regelungen zunächst in einem befristeten Probelauf gemeinsam mit den Beschäftigten zu erproben, auszuwerten und gegebenenfalls nachzubessern.
Nach Eindruck der DPolG stieß dieser Vorschlag nicht auf Zustimmung. Dabei hätte gerade ein gemeinsamer Probelauf die Möglichkeit geboten, praktische Erfahrungen frühzeitig einzubeziehen und die Akzeptanz notwendiger Veränderungen zu stärken.
Personalrat bleibt im Fokus
Erneut hat die DPolG die Rolle des Personalrats angesprochen. Aus Sicht der DPolG bleibt insbesondere die Enthaltung bei den damaligen Entscheidungen schwer nachvollziehbar. Die Instanz, die hätte einschreiten müssen, ist nicht eingeschritten.
Während des Gespräches entstand bei den Vertretern der DPolG der Eindruck, dass die Führungsebene den Personalrat mehrfach in Schutz nahm. Gleichzeitig wurde betont, es bestehe keine besondere Nähe zwischen Führung und Personalrat. Gerade diese Kombination sorgte für Irritationen und führte zu weiteren Fragen.
Auch frühere Entscheidungen wurden im Gespräch angesprochen. Beispielhaft wurde auf die Stromabschaltung im Amt und die dadurch angeordneten Verschiebungen dienstfreier Zeiten verwiesen. Ebenso erinnerte die DPolG an die Personalversammlung 2025, in der sinngemäß vermittelt wurde, man müsse sich mit seinen Anliegen lediglich an den Personalrat wenden. Genau das haben zahlreiche Beschäftigte getan. Die Frage lautet heute nicht mehr, ob gesprochen wurde, sondern welche konkreten Ergebnisse diese Gespräche tatsächlich hervorgebracht haben.
Angekündigte Aussprache steht weiter aus
Bereits auf der Personalversammlung 2025 wurde im Beisein des Stadtrates angekündigt, die Umstrukturierung und ihre Folgen in einer Teilpersonalversammlung gemeinsam mit der Belegschaft offen zu diskutieren. Nach bisherigen Erkenntnissen gab es hierzu bereits im Februar Gespräche zwischen der Führung und dem Personalrat. Weshalb ist aus diesen Gesprächen bis heute keine Teilpersonalversammlung hervorgegangen? Angesichts der anhaltenden Verunsicherung wäre ein solcher Austausch ein wichtiges Zeichen für Transparenz und Beteiligung gewesen.
Aus Sicht der DPolG erwarten viele Beschäftigte weiterhin nachvollziehbare Antworten, mehr Transparenz und die Bereitschaft, Erfahrungen aus der Praxis stärker in zukünftige Entscheidungen einzubeziehen. Denn Vertrauen entsteht nicht allein durch Entscheidungen. Die DPolG wird die weitere Entwicklung aufmerksam begleiten und weiterhin auf Transparenz, Beteiligung und nachvollziehbare Antworten drängen.
Über die Probleme im Ordnungsamt Mitte haben wir bereits zu Jahresbeginn berichtet. Den Artikel findet ihr hier:


